Anfrage an Fachausschuss / Kreistag - 2026/068
Grunddaten
- Betreff:
-
Anfrage der Gruppe AfD/ Die Basis vom 23.02.2026 zum Thema "Welche gezielten Präventionsmaßnahmen im Hinblick auf die psychische Gesundheit besonders gefährdeter Einwohnergruppen unseres Landkreises sind empfehlenswert?" (Im Stand der 1. Aktualisierung der Verwaltung vom 04.03.2026)
- Vorlageart:
- Anfrage an Fachausschuss / Kreistag
- Klimacheck:
- keine oder geringe Klimawirkung
- Federführend:
- Büro des Landrats/ Presse und Öffentlichkeitsarbeit
- Bearbeitung:
- Kreistagsbüro
- Beteiligt:
- Fachbereich Soziales; Sozialhilfe und Wohngeld; Gesundheit; Sozialpsychiatrischer Dienst
- Verantwortlich:
- Gruppe AfD / dieBasis
Beratungsfolge
| Status | Datum | Gremium | Beschluss | NA |
|---|---|---|---|---|
|
●
Geplant
|
|
Kreistag
|
Kenntnisnahme
|
|
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19.03.2026
|
Sachverhalt
Der Ausschuss für Soziales und Gesundheit hat die Verwaltung am 27.01.2026 beauftragt das Projekt „Verrückt? Na und!“ einzuführen. Es geht dabei um seelische Gesundheit in der Schule, um ein Präventionsangebot für Schüler und Schülerrinnen der Klassenstufen 8 bis 13 und ihre Lehrkräfte. Das Auftreten psychischer Erkrankungen soll verhindert und Schülerinnen und Schüler sollen dabei unterstütz werden, Krisen zu bewältigen.
Wir begrüßen das Projekt, aufgrund des gestiegenen Präventionsbedarfes bezüglich psychischer Erkrankungen, außerordentlich.
Eine Folge psychischer Erkrankungen kann Gewalt gegen andere sein. Eine andere Folge psychischer Erkrankungen kann im Extremfall auch ein Suizid sein. Die deutliche Mehrzahl - ca. 90% der Suizide - erfolgt im Rahmen einer Depression oder anderer psychiatrischer Erkrankungen.
In Deutschland wird bereits alle 51 Minuten ein Todesfall durch einen Suizid herbeigeführt. Das sind ca. 10.000 Menschen, die sich pro Jahr das Leben nehmen. Zudem kommen auf jeden vollendeten Suizid bis zu 20 Suizidversuche. Das Statistische Bundesamt, Destatis, veröffentlicht folgende Suizid-Tabelle nach Altersgruppen in Deutschland für das Jahr 2024:
|
Altersgruppen von ... bis ... Jahre |
Insgesamt |
Männlich |
Weiblich |
|
|
|||
|
Insgesamt |
10 372 |
7 414 |
2 958 |
|
unter 15 |
28 |
7 |
21 |
|
15 bis 19 |
188 |
136 |
52 |
|
20 bis 24 |
278 |
203 |
75 |
|
25 bis 29 |
367 |
301 |
66 |
|
30 bis 34 |
369 |
299 |
70 |
|
35 bis 39 |
460 |
363 |
97 |
|
40 bis 44 |
514 |
396 |
118 |
|
45 bis 49 |
513 |
398 |
115 |
|
50 bis 54 |
665 |
465 |
200 |
|
55 bis 59 |
1 037 |
749 |
288 |
|
60 bis 64 |
1 001 |
756 |
245 |
|
65 bis 69 |
890 |
656 |
234 |
|
70 bis 74 |
830 |
582 |
248 |
|
75 bis 79 |
709 |
460 |
249 |
|
80 bis 84 |
1 111 |
748 |
363 |
|
85 bis 89 |
962 |
628 |
334 |
|
90 und älter |
450 |
267 |
183 |
Der Anteil der Bevölkerung unseres Landkreises an der Gesamtbevölkerung beträgt ca. 0,22%. Mit anderen Worten, statistisch betrachtet scheiden in unserem Landkreis jährlich ca. 22 Menschen aufgrund von Suizid aus dem Leben, ca. 16 Männer und ca. 6 Frauen. Die Anzahl an Suizidversuche ist, wie bereits berichtet, bis zu zwanzigmal höher. Besonders betroffen sind offenbar Männer in der Altersgruppe ab Mitte ihrer 50er Lebensjahre.
Präventionsarbeit im Hinblick auf psychische Erkrankungen ist wichtig, um die Lebensqualität Betroffener zu erhalten und auch um vor Gewalt gegen sich selbst und auch vor Gewalt gegen andere zu schützen.
Da die Gesundheitsförderung eine Kernaufgabe des Gesundheitsamtes ist, haben wir dazu nachfolgende Fragen.
Unsere Fragen dazu:
1. Liegen Erkenntnisse darüber vor, was die Hauptursachen der zunehmenden psychischen Erkrankungen von insbesondere Männern im letzten Drittel
ihres Lebens sind?
Falls ja, worin sind die Hauptursachen zu sehen?
Falls nein, wie ließen sich die Ursachen eruieren?
2. Gibt es bereits Präventionsansätze des Gesundheitsamtes im Hinblick auf diese Problematik, von denen insbesondere Männer im letzten Drittel ihres
Lebens profitieren?
Falls ja, wie könnten diese Ansätze ausgebaut werden?
Falls nein, welche Präventionsansätze wären aus Sicht des Gesundheitsamtes empfehlenswert?
3. Liegen Erkenntnisse über zunehmende psychische Erkrankungen bei Kindern aufgrund von Mobbing bzw. Gewalt an Schulen vor? Gegebenenfalls
welche?
Sieht das Gesundheitsamt dazu Eruierungsbedarf?
Stellungnahme der Verwaltung vom 04.03.2026:
zu Frage 1:
Aktuell liegen dem Gesundheitsamt keine Erkenntnisse darüber vor, was die Hauptursachen der zunehmenden psychischen Erkrankungen von insbesondere Männern im letzten Drittel ihres Lebens sind.
Die Ursachen ließen sich durch Studien zu dieser Frage, sofern diese vorliegen, eruieren.
zu Frage 2:
Es gibt aktuell keine Präventionsansätze des Gesundheitsamtes im Hinblick auf psychische Erkrankungen von Männern im letzten Drittel ihres Lebens, von denen diese profitieren könnten.
Nach § 6 des niedersächsischen Gesetzes über Hilfen und Schutzmaßnahmen für psychisch Kranke (NPsychKG) bietet der Sozialpsychiatrische Dienst, der zum Gesundheitsamt gehört, eine umfassende und frühzeitige Beratung an. Dieses Beratungsangebot steht allen offen, auch den in der Anfrage besonders genannten Personengruppen. Dieses Beratungsangebot gilt nicht nur für die Betroffenen selbst, sondern auch für ihnen nahestehende Personen, egal ob Familie oder Freunde, Arbeitgeber, Kollegen etc.
In § 1 des Niedersächsischen Gesetzes über den Öffentlichen Gesundheitsdienst (NGÖGD) ist geregelt, dass unter anderem das Gesundheitsamt die Gesundheit der Bevölkerung fördert und schützt. Dazu gehören unter anderem Maßnahmen nach dem Infektionsschutzgesetz, um die Ausbreitung ansteckender Krankheiten zu verhindern, aber auch Präventionsmaßnahmen.
In § 4 des NGÖGD ist geregelt, dass die Landkreise zum Beispiel gesundheitsfördernde Maßnahmen unterstützen und koordinieren.
Aufgrund der bestehenden Personalsituation ist es nicht möglich, diese gesundheitsfördernden Maßnahmen selbst durchzuführen.
Aus diesem Grund wird zum Beispiel das Projekt „verrückt - na und?“ vom Sozialpsychiatrischen Dienst unterstützt und begleitet. Durch dieses Projekt sollen in einem ersten Schritt Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 8-13 und deren Lehrkräften die Möglichkeit geboten werden, mehr über psychische Erkrankungen und deren Verbreitung zu erfahren. Dadurch soll den Schülerinnen und Schülern eine Sicherheit vermittelt werden, sich selbst bei bestehenden Problemen Hilfe zu suchen. Damit soll auch erreicht werden, dass das Thema psychische Erkrankungen offener angesprochen wird.
Perspektivisch wird auch dieses Projekt dazu führen, dass allgemein die Hemmschwelle gesenkt wird, bestehende psychische Erkrankungen oder Krisen anzusprechen.
Neben dem Gesundheitsamt an sich hat jedoch auch die gesetzliche Krankenversicherung einen Präventionsauftrag, darüber hinaus auch einen Behandlungsauftrag.
Das Gesundheitsamt, besonders der Sozialpsychiatrische Dienst, arbeitet eng mit der Psychiatrischen Klinik Lüneburg (PKL) zusammen. Sollten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Sozialpsychiatrischen Dienstes bei ihrer Tätigkeit feststellen, dass jemand suizidgefährdet ist, unabhängig vom Alter der Person, wird Kontakt mit der PKL aufgenommen und auch auf andere Behandlungsangebote und Möglichkeiten hingewiesen.
zu Frage 3:
Dem Gesundheitsamt liegen keine Erkenntnisse über zunehmende psychische Erkrankungen bei Kindern aufgrund von Mobbing bzw. Gewalt an Schulen vor, die über die allgemeine Erkenntnis, dass Kinder und Jugendliche in der jüngeren Vergangenheit offenbar vermehrt psychische Probleme haben, hinausgehen.
Sollte festgestellt werden, dass genauere Erkenntnisse zu dieser Fragestellung erforderlich sind, wird das Gesundheitsamt versuchen, aufgrund der bestehenden Datenlage aus Studien, Daten der Krankenkassen etc., Erkenntnisse zusammenzuführen und auszuwerten. Aktuell sieht das Gesundheitsamt dazu keinen Eruierungsbedarf.
Eine der Aufgaben des Gesundheitsamtes ist unter anderem die Gesundheitsberichterstattung. Das Gesundheitsamt kann, nachdem die entsprechenden personellen Ressourcen vorhanden sind, nach und nach die Aufgabe angehen. In einem ersten Schritt werden die Daten aus den Schuleingangsuntersuchungen ausgewertet. Sollte sich aus diesen Daten ein Präventionsbedarf, egal ob in somatischer oder psychiatrischer Form ergeben, wird das Gesundheitsamt zum Beispiel Schulen dabei unterstützen, entsprechende Förderprogramme, die ggf. schon bei den Krankenkassen existieren, zu nutzen.









