Ein Leben im Dienst der Gemeinschaft: Bundesverdienstkreuz für Erika Tipke
Die Evangelisch-lutherische Kirchengemeinde schrieb einst, die lange Liste ihrer Aktivitäten lasse einen „staunend sprachlos“ zurück: Erika Tipke steht seit Jahrzehnten ehrenamtlich in beeindruckender Weise im Dienst ihrer Mitmenschen – verlässlich, tatkräftig und mit bemerkenswerter Ausdauer. Landrat Jens Böther zeichnete sie dafür nun (19. Februar 2026) in einer Feierstunde im Sitzungssaal der Kreisverwaltung mit dem Bundesverdienstkreuz aus.
Seit mehr als fünf Jahrzehnten ist die Kirche ein zentraler Ort ihres Wirkens – als lebendige Gemeinschaft. Über 50 Jahre singt Erika Tipke in der Johanniskantorei Lüneburg, gestaltete seither Gottesdienste, Konzerte und Oratorien mit. Doch ihr Engagement reicht weit darüber hinaus: In der Kirchengemeinde Bleckede und im Kirchenkreis Lüneburg übernahm sie Verantwortung in leitenden Gremien, war 18 Jahre Beauftragte für die Frauenarbeit, wirkt bis heute im Ausschuss für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung mit und engagiert sich in ökumenischen und bildungsbezogenen Projekten. Sie organisiert Friedensgebete, versieht Besuchsdienste und sorgt mit dafür, dass die St.-Jacobi-Kirche als offener Ort erfahrbar bleibt.
Über Jahrzehnte koordinierte sie die Rumänienhilfe der Kirchengemeinde. Hilfstransporte mit Kleidung, Medikamenten und Lebensmitteln wurden vorbereitet, begleitet und persönlich betreut. In einem Kinderheim in Cincu erhielt sie den liebevollen Namen „Erika Ballone“ – weil sie stets bunte Luftballons mitbrachte. „Ein Bild, das ihr Wirken treffend beschreibt: Hilfe, die Herz und Würde erreicht“, so Landrat Jens Böther in seiner Laudatio. In Bleckede ist sie tragende Kraft der Lebensmittelausgabe „Immersatt“. Mehrmals wöchentlich organisiert sie die Versorgung Bedürftiger, begleitet Geflüchtete zu Behörden, fährt Menschen zu Ärzten und unterstützt pragmatisch und unbürokratisch.
Erika Tipke setzt zudem starke Zeichen für die Erinnerungskultur. Sie initiierte den „Tag der Juden“ und organisiert mit der Arbeitsgemeinschaft „Juden in Bleckede“ die Gedenkfeier am 9. November im Schlossgarten. Schülerinnen und Schüler werden bewusst einbezogen, damit Geschichte lebendig bleibt. Auch Kultur und Umwelt liegen ihr am Herzen. Im Freundeskreis „Literatur in der Region“ führt sie das Engagement ihres verstorbenen Mannes fort, organisiert Lesungen und war viele Jahre als Lesepatin tätig. Seit den 1980er Jahren prägt sie zudem die kirchliche Elbe-Bewegung, organisiert Elbekirchentage und bringt Umweltfragen bis in landeskirchliche und bundesweite Foren ein.
Das Bundesverdienstkreuz ist nicht die erste Auszeichnung für dieses außergewöhnliche Wirken. Bereits im Jahr 2000 wurde Erika Tipke vom Landkreis Lüneburg für ihren Einsatz für Kirche und Umwelt in das Ehrenbuch eingetragen – die höchste Auszeichnung, die der Landkreis selbst vergibt. 2014 würdigte der Landkreis sie erneut beim Tag der Ehrenamtlichen. Schon damals blickte sie auf eine beeindruckend lange Ehrenamtsbiografie zurück. Nun wurde ihr eine weitere, staatliche Ehrung zuteil: das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
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